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Tjiko aus Rosenheim entwickelt eine digitale Plattform, über die das Unternehmen individuelle Badezimmer als vorgefertigtes Raummodul vertreibt. © Tjiko GmbH

Lego für Große: Badmodule für Häuser in Holzbauweise

Modularen Hausbau in Holzbauweise kann man sich wie Lego für Große vorstellen. Denn bei Holzhäusern ist es in der Regel es so, dass sie in Modulen geplant und gebaut werden. Das ist vor allem für Ballungszentren interessant – denn die einzelnen Hauselemente können einfach mit dem Kran zu einem Haus zusammengefügt werden. Das Start-up Tjiko aus dem Stellwerk18 in Rosenheim entwickelt eine digitale Plattform, über die das Unternehmen individuelle Badezimmer als vorgefertigtes Raummodul vertreibt – und will damit trotz industrieller Fertigung Individualität für die Masse schaffen. Ab Herbst soll der Konfigurator von Tjiko online gehen. Der Startschuss für Tjiko fiel durch das Projektseminar „Unternehmensplanung“ an der Technischen Hochschule Rosenheim, an der die Gründer Markus Hoos und Lukas Schiffer Holzbau studiert haben.

Markus und Lukas, ihr seid im Holzbau unterwegs – was kann man sich darunter vorstellen?

Häuser werden ja nicht nur aus Stein oder Beton gebaut, sondern auch aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Das Bemerkenswerte an der Holzbauweise ist der hohe Grad der Vorfertigung. Konkret heißt das, dass der größte Teil der Wertschöpfung unter industriellen Bedingungen erfolgt. Die einzelnen Bau-Elemente bzw. -Module werden dann auf der auf der Baustelle zu einem Gebäude zusammengefügt. Besonders in verdichteten Stadtgebieten hat das Vorteile, beispielsweise für Dachaufstockungen. Die Bauzeit ist hier sehr kurz und die städtische Infrastruktur wird nur geringfügig belastet. Zudem ist Holz als Baustoff deutlich umweltverträglicher als beispielsweise Beton. Nachteile gibt es eigentlich keine. Die geringfügigen Einschränkungen lassen sich durch intelligenten Materialeinsatz begrenzen.

Wo steht Tjiko als junges Unternehmen in seiner Entwicklung?

Wir lassen unsere Badmodule dezentral über ein Netzwerk aus Produktionspartnern fertigen. Das bauen wir gerade auf – eine große Aufgabe, bei der wir viel lernen. Im Herbst gehen wir mit dem Konfigurator live und haben aktuell zwei Partnerbetriebe, zwei weitere folgen bald. Im Moment liefern wir für ein siebengeschossiges Studentenwohnheim aus Holz 66 Badmodule. Unsere Heimatstadt Rosenheim ist DAS internationale Know-how-Zentrum für ingenieursmäßigen Holzbau; wir spezialisieren uns hierauf, sammeln Wissen und skalieren unsere Produkte international, dies sichert langfristig unsere Position am Markt. Tjiko steht aktuell de facto allein im Markt, es gibt keine individuellen Badmodule, nur Fertigbäder mit sehr großen Mindestabnahmemengen in gleicher Ausführung. Eines unserer nächsten Ziele ist es, in Rosenheim ein Holzhochhaus zu erwirken, um die Position als Holzbaustadt zu manifestieren.

Bäder lassen sich doch jetzt auch schon individuell zusammenstellen – was macht ihr anders, und was bedeutet das für eure Kunden?

Natürlich liefern wir im Vergleich mit handwerklichen Betrieben augenscheinlich das gleiche Ergebnis. Unser Produkt ist aber schlicht auf allen Ebenen unkomplizierter, schneller, aus einer Hand und qualitativ besser. Gerade in den Ballungszentren wird die Vorfertigung die zukunftsfähigste Bauweise sein, das sagen nicht nur wir bei Tjiko. Die Baubranche hat in den letzten 30 Jahren kaum Produktivitätszuwachs verzeichnet! In dieses Potential treten wir ein, um industrielle Qualität, transparente Kosten- und Kommunikationsstrukturen, kurze Bauzeiten, sowie maximale digitale Effizienz zu bieten.

„Wir haben gelernt, persönlich zu überzeugen.“

Was sind eure aktuellen Herausforderungen?

Die Baubranche ist teilweise sehr konservativ, es ist also nicht so einfach Innovationen durchzuführen. Weder Partner noch Kunden haben in der aktuellen Konjunktur Ressourcen, um sich mit neuen Themen zu beschäftigen. Daher haben wir die Zielgruppe verkleinert und nun die richtigen Partner mit passender Philosophie an unserer Seite. Wir haben gelernt, persönlich zu überzeugen.

Welchen Rat gebt ihr anderen Gründern mit auf den Weg?

Wenn es irgendwo knirscht, dann muss man sich auf irgendeiner Ebene verändern. Persönlich, oder das Geschäftsmodell muss angepasst werden. Erst im Flow-Gefühl weißt du, dass du richtigen Maßnahmen getroffen hast. Achte außerdem auf deine Finanzen – nicht nur in der Planung, sondern auch dahingehend, wie du als Unternehmen gegenüber Kunden auftrittst: Ideale sind ein guter Motor, aber kein Verkaufsargument.

www.tjiko.de (Externer Link)

© Tjiko GmbH
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Diese Anlaufstellen haben Tjiko besonders geholfen:

  • Die TH Rosenheim (Externer Link) und die dort sehr gut vernetzten Professoren konnten Tjiko mit Wissen und Netzwerk unterstützen – und unter anderem damit helfen, in der Bau- und Holzbranche bekannter zu werden. Denn hier läuft im Business noch viel über persönliche Empfehlungen.
  • Das Digitale Gründerzentrum „Stellwerk18“ (Externer Link) und BayStartUP (Externer Link) gaben wichtige Impulse für die Geschäftsplanung und für den Unternehmensaufbau – heute sagen die Gründer, dass sie zu Beginn zu idealistisch argumentiert hatten und ihr Blick auf die Zahlen noch nicht scharf genug war.