Schließen

© Extra Prima Good (Meisterei Handwerk Genießen)

Meisterei Handwerk Genießen: Existenzgründung nach eigenem Rezept

Gemeinsam mit seinem Onkel hat Jonas Haid die „Meisterei Handwerk Genießen” gegründet. Mit ihrem ausgewählten Sortiment an Back- und Konditorwaren legen sie Wert auf Regionalität und Qualität – und lassen sich in ihren gläsernen Backstuben gerne von ihren Kunden über die Schulter schauen. Uns hat Jonas erzählt, was ihn zur Gründung motiviert hat, welche Besonderheiten Familienbetriebe mit sich bringen und wieso das Leben eines Gründers sich auch oft verändern kann.

Jonas, was konkret verbirgt sich hinter der Meisterei Handwerk Genießen?

Wie der Name es schon verrät, ist die Meisterei ein Ort, an dem Handwerk – genauer gesagt das Backhandwerk – mit allen Sinnen genießbar werden soll. Das beginnt schon bei der Produktion, denn unsere Backstuben sind komplett mit Glas verkleidet, sodass unsere Kunden ganz nah am Bäcker- und Konditorhandwerk dran sind und unseren Bäckern über die Schulter schauen können. Direkt daran gliedert sich ein Café sowie eine Eismacherei an. Bei uns findet man ein ausgewähltes Sortiment, also Semmeln, Brot, sowie Kuchen und Gebäck sowie selbst hergestelltes Eis.

Bäckereien und Konditoreien gibt es viele. Was wird bei euch ganz anders gemacht als bei anderen?

Für uns stehen Qualität und Regionalität im Fokus. Deshalb haben wir uns auch entschieden, uns auf wenige Produkte zu beschränken. Bei uns gibt es sechs Brote und zwei Semmeln, das ist eigentlich unser Hauptsortiment. Durch diese Reduktion können wir uns auch auf hochwertige regionale Produkte mit einer entsprechenden Reifezeit konzentrieren. Während industriell gefertigte Backwaren durch einen hohen Hefeanteil schnell backfertig gemacht werden und so in hoher Stückzahl produziert werden, brauchen unsere Brote schon ihre 18 Stunden in der Kühlung, bis sie gereift sind und gebacken werden können. Mit diesem Ansatz wollen wir die natürliche und ursprüngliche Backkunst wieder zum Leben erwecken. Auch im Bereich der Konditorei legen wir Wert auf Exklusivität und bieten keine herkömmlichen Kuchen oder Torten an, sondern stellen hauptsächlich Tartes her. So können wir unseren Kunden insgesamt ein ausgewähltes Produktsortiment mit einem hohen Anspruch bieten.

    "Ich habe in der Herausforderung, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, eine Chance gesehen."

    Bevor du gegründet hast, warst du in einem festen Angestelltenverhältnis tätig. Was hat dich zur Selbstständigkeit motiviert?

    Ich habe in der Herausforderung, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, eine Chance gesehen. Bei meiner vorherigen Stelle hatte ich nicht mehr die Perspektive, die ich mir gewünscht hätte und als mein Onkel mich gefragt hat, ob ich einsteigen möchte, habe ich die Gelegenheit genutzt. Wir haben dann gemeinsam die Immobilie besichtigt und ich habe sofort gesehen, dass da eine Menge Potenzial ist. Ab dem Punkt, wo dieser Gedanke losgetreten war, gab es für mich kein Zurück mehr.

    Du hast die Meisterei zusammen mit deinem Onkel gegründet. Was bringt eine Gründung innerhalb der Familie mit sich?

    In der Familie gründen bringt eine Menge Vorteile mit sich. Man kennt das Geschäft und die Produkte schon sehr lange und hat natürlich auch schon eine gewisse Verbindung zu dem Team. Außerdem waren die kurzen Abstimmungswege zwischen mir und meinem Onkel in der Startphase sehr hilfreich. Andererseits birgt die familiäre Nähe natürlich auch gewisse Herausforderungen. Insbesondere, wenn man im Handwerk aus unterschiedlichen Generationen kommt, kann man schon mal unterschiedliche Vorstellungen haben, wie man etwas angehen will. Da fällt es dann oft schwer, eine klare Grenze zwischen Privatem und Beruflichem zu ziehen

    Was kannst du anderen Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?

    Ich habe gelernt, dass Erwartungsmanagement und eine konkrete Definition der Rollen vorab besonders wichtig sind. Egal, ob man einen Familienbetrieb auf die Beine stellt oder mit einem externen Partner gründet: Sprecht über die Erwartungen, die ihr an das Geschäft habt, wer für welche Bereiche zuständig sein wird und von wem welche Entscheidungen getroffen werden. Außerdem sollte man im Blick haben, welche Personen maßgeblich am Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens beteiligt sind. Das können neben dem Gründerteam die Mitarbeiter sein, aber auch Kooperationspartner wie Lieferanten, Gründerzentren oder Vermieter. Hier ist es wichtig, langfristige und stabile Beziehungen aufzubauen.

      "Gründen in Ingolstadt bedeutet für mich, in der Heimat gründen."

      Was ist für dich das Besondere daran, in Ingolstadt zu gründen?

      Gründen in Ingolstadt bedeutet für mich, in der Heimat gründen. Ich kenne hier unheimlich viele Leute, was mir die Gründung sehr erleichtert hat. Mein Onkel und ich haben hier zusammen einen großen Bekanntenkreis. Das sind dann zum einen zahlende Kunden, aber eben auch viele Unterstützer, die anpacken und für einen Werbung machen. Wenn man jetzt nicht auf ein digitales Geschäftsmodell setzt, sondern im Einzelhandel gründet, dann ist es definitiv von Vorteil, in der Heimat zu gründen, um Kooperationen zu erleichtern. Darüber hinaus zeichnet sich Ingolstadt

      natürlich auch durch eine gute Universität und junge Talente aus und verfügt über eine lebendige Start-up Szene und Unterstützung aus dem Digitalen Gründerzentrum.

      Wo steht ihr aktuell mit der Meisterei und was sind die Pläne für die Zukunft?

      Wir können auf ein erfolgreiches erstes Jahr zurückblicken. Insbesondere das Team ist in der Zeit toll zusammengewachsen. Natürlich sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht an uns vorbeigegangen, aber auch das haben wir gemeinsam gut gemeistert. Auch, wenn ich die Führung der Meisterei im nächsten Jahr an meinen Onkel übergebe, bin ich sehr stolz darauf, was wir auf die Beine gestellt haben.

       

      Im nächsten Jahr soll dann die Ladeneröffnung auch in den Abend hinein ausgebaut werden, so dass man den Feierabend in der Meisterei ausklingen lassen kann. Außerdem ist geplant, Seminare rund um das Back- und Konditorhandwerk anzubieten und damit das Angebot zu erweitern.

      Diese Anlaufstellen haben der Meisterei Handwerk Genießen besonders geholfen: