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Bewusst anders: Awesome Technologies

Awesome Technologies ist ein junges Technologieunternehmen mit Sitz im ZDI Mainfranken. Gegründet wurde es 2017 – mit dem Ziel, unternehmerisch auch einfach mal anders als ein klassisches Start-up zu agieren. Mit acht Gründerinnen und Gründern im Kernteam, manche davon im Nebenerwerb, einem besonderen IT-Beratungsansatz und Lösungen in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens und der Industrieautomatisierung musste das Unternehmen dann auch ganz eigene Hürden überwinden, bevor sich die ersten Erfolge einstellten. Wir sprachen mit Geschäftsführer Christoph Günther über das besondere Setup und die Chancen, die sich daraus ergeben.

Christoph, wie hat Awesome Technologies als Team zusammengefunden?

Ein Großteil der Gründer kennt sich schon sehr lange, aus der Schule oder durch das Studium an der Universität Würzburg. Wir haben sehr verschiedene Hintergründe aus Informatik, Betriebswirtschaft, und Ingenieurswesen. Ein Teil des Teams war und ist wissenschaftlich tätig, ein anderer Teil konnte bereits Erfahrung in der Wirtschaft sammeln.

Was genau macht ihr anders als andere junge Unternehmen?

Wir entwickeln erstens Technologien, die in sinnvolle Anwendungen überführt werden, ohne uns von Branchengrenzen abschrecken zu lassen. Kundeninteraktion, konkrete Produkte – das alles folgt der Überzeugung, dass wir ein starkes Team mit extrem vielfältiger Expertise haben. Wir haben uns zweitens bewusst für die Gründung mit den heutigen acht Gesellschaftern entschieden. Von so vielen Köpfen wird oft abgeraten, denn die Abstimmung unter den Gesellschaftern müssen wir für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit stets erneuern. Ein Vorteil liegt aber in der breiten Wissensbasis und den unzähligen Ressourcen und Netzwerken, auf die man zurückgreifen kann. Ich bin davon überzeugt, dass das verhindert, dass wir zu verbohrt handeln. Außerdem agieren wir nach einem besonderen Beratungsansatz, bei dem es um verantwortungsvolle Innovationsentwicklung geht. Dabei setzen wir konsequent auf nutzerzentrierte Co-Innovation.

Klingelt da nicht der Buzzword-Alarm?

Vielleicht, die Formulierung trifft aber den Punkt! Im Gesundheitsbereich und vielen mittelständischen Unternehmen scheitert die Einführung von Innovationen nicht an einem "nicht wollen", sondern an Unsicherheiten, die daraus entstehen, dass so viele standardisierte Technologien und Lösungen auf dem Markt existieren. Genau bei diesen Punkten setzen wir an und gehen mit dem Kunden gemeinsam einen konstanten Weg der Digitalisierung und Innovation. Wir beginnen meist mit kleineren Projekten, oft noch in der Forschungsphase. Unser guter Überblick über den Stand der Forschung und Technologien sowie deren Möglichkeiten hilft uns, mit den Kunden gemeinsam die ersten Umsetzungen zu starten. Die Lösungen, die wir entwickeln, werden dann - sofern geeignet - selbst wieder standardisiert und an weitere Kunden im Lizenzgeschäft vertrieben: Forschung - Entwicklung - Projekt - Produkt.

Mit unserem Ansatz entwickeln wir nicht am Kunden vorbei, sondern erkennen „lean“ die Bedürfnisse und können flexibel Anpassungen vornehmen. Der Vorwurf, dass wir uns dabei verzetteln, ist uns immer wieder begegnet. Mittlerweile profitieren wir von den Erkenntnissen über Branchen hinweg allerdings mehr, als dass sie uns hindern.

„Wir beseitigen nicht einmalig ein Problem und lassen Neue entstehen, sondern verstehen Innovation als den Prozess der Anpassung in ein komplexes Ökosystem.“

Welche Chancen bringt das für euch mit sich?

Technologien und Anbieter gibt es viele, aber diese sind oft weit weg von den Bedürfnissen und dem Ausgangspunkt ihrer Kunden. Wir erhalten mit unserem Ansatz tiefe Einblicke in die Prozesse unserer Kunden und Partner. Dabei haben wir vielleicht eine etwas längere Findungsphase für eine Lösung, können diese dann aber in langfristigen Kundenbeziehungen ausbauen. Die Rückmeldung unserer Kunden bestätigt das. Wir beseitigen nicht einmalig ein Problem und lassen Neue entstehen, sondern verstehen Innovation als den Prozess der Anpassung in ein komplexes Ökosystem.

Kommen wir nochmal zurück zu eurem Team:welche Herausforderungen bringt hier eure besondere Aufstellung mit sich?

Die größte Herausforderung war bisher eine solide Finanzierung von Mitarbeitern und Projekten, die wir zu Beginn über Bootstrapping gestemmt haben. Beim Übergang von Projekten zu Produkten muss vorfinanziert werden. Da wir nicht in die typischen Raster der Eigenkapitalfinanzierung passen, unsere Ideen aber für die klassische Bankenfinanzierung aufgrund von Softwareentwicklung und Innovationsgrad zu riskant sind, waren wir froh, auf das noch etwas unbekanntere Modell des Revenue Based Financing zu stoßen.

Worum genau handelt es sich bei dieser Finanzierungsform – und für wen eignet sich das besonders?

Revenue Based Financing bedeutet, dass man für ein Investment keine Firmenanteile abgibt, sondern ein Investor an den späteren Umsätzen des Unternehmens beteiligt wird. Es basiert auf dem Prinzip, dass die meisten Geschäftsmodelle von digitalen Unternehmen auf einem Anteil an wiederkehrenden Umsätzen basieren (Lizenzen, SaaS). Eine Anschubfinanzierung erfolgt ohne Verwässerung von Anteilen und ohne Bewertung des Unternehmens, aber partizipierend an einem starken Wachstum. Technisch wird hierfür ein Nachrangdarlehen gewährt, dessen Rückzahlung an den Umsatz gekoppelt ist. Dieser Anteil wird je nach Verhandlung innerhalb eines Zeitraums zurückgezahlt und geht im Erfolgsfall mit einem Vielfachen des Finanzierungsvolumens einher. Danach endet die Geschäftsbeziehung automatisch.

Durch diese Form der Rückzahlung, die an den Cashflow eines Unternehmens gebunden ist, wird auch deren Finanzierungslage nicht  destabilisiert. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur klassischen Bankenfinanzierung. Aus Marktsicht wird damit eine wesentliche Lücke in der bisherigen Finanzierungslandschaft zwischen Banken und Venture Capital für innovative Unternehmen geschlossen.

Wo steht ihr heute?

Heute, nach knapp vier Jahren, haben wir mehrere erfolgreiche Produkte in der Telemedizin auf dem Markt. Hier haben wir uns auf die Kommunikation zwischen den Spezialisten des Gesundheitswesens konzentriert, da dort die Möglichkeiten der Marktpositionierung und unser Knowhow am besten zueinander passen.

Wir haben zum Beispiel eine Lösung für die Kommunikation zwischen Pflegeheimen und Ärzten und einem DSGVO-konformen Messenger für Gesundheitsinstitutionen entwickelt. Unsere App AMP.clinic ermöglicht zudem einen Austausch für die sichere Übertragung von Daten zwischen Kliniken und Fachzentren. Im Rahmen des Projektes TeleCOVID Hessen haben wir darüber rund 80 Krankenhäuser zu einem einmaligen Netzwerk in der Tele-Intensivmedizin großflächig miteinander verbunden. Das Projekt verdeutlicht den Beitrag der Digitalisierung zur Stärkung der Versorgungsnetzwerke im Land.

Auch in der Robotik und Industrieautomatisierung nimmt unser Geschäft deutlich Fahrt auf. Hier bedienen wir uns diverser Techniken von Augmented und Virtual Reality bis hin zu kollaborativen Robotern und ermöglichen KMUs den Einstieg in die Automatisierung komplexer Arbeitsschritte in einem Robotics-as-a-Service Modell.

Wie bewertet ihr die Gründerszene in Bayern?

Bayern weist für junge Unternehmen eine sehr starke Unterstützungsstruktur auf. Angefangen mit der Möglichkeit, über Förderprogramme innovative Ideen weiterzuentwickeln und zur Marktreife mit Anwendern zu bringen. Wir konnten z. B. im Rahmen der BayMed-Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie erstes Produkt im Bereich der Telemedizin AMP.care gemeinsam mit dem Caritasverband für den Landkreis Kronach e.V. zu einer ersten Anwendung bringen. Was zuvor aus einer Idee und vielen Gesprächen mit Anwendern bestand, wurde damit in der Entwicklung gefördert und konnte erstmalig umgesetzt werden. Zwischenzeitlich ist die Lösung im operativen Einsatz und wurde mit dem Verein Oberfranken Offensiv weiterentwickelt. Ohne die Förderung wäre dies nicht möglich gewesen.

Darüber hinaus sitzen wir seit unserer Gründung im Digitalen Gründerzentrum Würzburg (ZDI). Das ZDI unterstützt regionale Start-ups bereits sehr früh mit Büroräumen, Netzwerk und Knowhow. Wir haben hiervon sehr profitiert - einmal durch die Möglichkeit, unkompliziert Räumlichkeiten zu nutzen, aber viel mehr noch durch die Vernetzung mit der regionalen Wirtschaft und einer medialen und fachlichen Unterstützung für die Aufmerksamkeit, die ein junges Unternehmen braucht, um Ernst genommen zu werden.