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inveox beschäftigt 87 Mitarbeiter in Garching bei München und Krakau (Polen) – mit Talenten aus insgesamt 27 Nationalitäten. © Nathalie Zimmermann

inveox: Das digitale Labor der Zukunft

Das Medizintechnik-Start-up inveox hat ein System entwickelt, mit dem Pathologie-Labore Krebsdiagnosen sicherer, effizienter und schneller durchführen können. Die Technologie des Unternehmens aus Garching bei München setzt am ersten, zeitintensivsten und kritischsten Schritt des Diagnose-Prozesses an: beim Eingang der Probe im Labor. Dabei handelt es sich meist um Gewebeproben, die der behandelnde Arzt zur Untersuchung entnimmt und ins Labor sendet. Dort angekommen werden die Proben heute noch mehrfach von Hand in Gefäße umgepackt. Unregelmäßigkeiten, die an dieser frühen Stelle des Analyse- und Diagnoseprozesses auftreten, können sich dann durch den gesamten folgenden Laborprozess ziehen. Das will inveox verhindern.

Das inveox-System besteht aus einem intelligenten Probenbehälter für Gewebeproben, einem Automaten für den Probeneingang und eine mittels Künstlicher Intelligenz gestützte Registrierung der Proben sowie eine sehr sichere Onlineplattform, die die Datenübertragung zwischen den behandelnden Ärzten und dem Pathologielabor sicherstellt. „Durch das Zusammenspiel dieser Komponenten können wir die bislang manuelle Datenerfassung nahtlos automatisieren“, erklärt Maria Sievert. Sie ist 29 Jahre alt und leitet inveox gemeinsam mit ihrem Mitgründer Dominik Sievert. „Diagnoserelevante Daten, die bis jetzt nicht erfasst werden konnten, sammeln wir in einer hochsicheren IT-Datenbank und stellen sie den Pathologen in ihrem bestehenden LIS (Laborinformationssystem) bereit.“

Der Markt zeigt sich interessiert

Die Serienproduktion des Automatisierungssystem steht bevor und mit weiteren Kunden aus dem In- sowie Ausland befindet sich inveox in der Vertragsphase. „Gemessen daran, dass wir inveox erst vor zwei Jahren gegründet haben, sind wir besonders stolz darauf, wo wir heute stehen“, sagt Maria. Während ihres Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens an der TU München hatte sie praktische Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Maschinenbauindustrie gesammelt. Nahezu zeitgleich stellten sie und Dominik, der später ihr Mitgründer werden sollte, fest: der gängige Ablauf des Probeneingangs und das herkömmliche Verfahren der Probenvorbereitung sind ineffizient und bergen ein großes Optimierungspotential. „Ich war damals in den USA und betrachtete die Herausforderung aus dem Blickwinkel einer Ingenieurin, während Dominik als Molekular-Biotechnologe in München nach Lösungsansätzen forschte.“ Im Rahmen eines Förderprogramms der TUM lernten sie sich dann zufällig kennen. Aus der gemeinsamen Idee wurde mit der Gründung von inveox im Februar 2017 Wirklichkeit.

„Wir haben mit leeren Händen angefangen“, erinnert sich Dominik. „Was wir hatten, war der Chancenblick und die Bereitschaft zuzupacken und nicht mehr loszulassen, bis wir eine Lösung gebaut haben.“ Beide Gründer betonen: es ist wichtig, dass man mit Herzblut bei der Sache ist. „Das setzt Energie frei, sich selbst weiter voranzutreiben und dass man niemals aufhört sich verbessern.“

„Erweitert aktiv euer Netzwerk! Man weiß nie, ob die Person, die mit dir in der Supermarktschlange wartet und mit der du ins Gespräch kommst, nicht vielleicht eine entscheidende Geschäftspartnerin ist.“

Fachliche Expertise ist nicht alles

Die richtigen Investitionspartner finden, ein gutes Team zusammenzustellen und die kulturelle DNA der Firma zu prägen – das sind einige der wichtigsten Aspekte, auf die man laut Maria und Dominik in der Startphase eines Unternehmens besonders achten muss. Innovation voranzutreiben erfordere dabei ein breit gefächertes Skillset: „Zum Gründen gehört dann auch vor allem viel Durchhaltevermögen: Tage- und Nächtelanges Planen, Verwerfen, Neu-Anfangen. Entwickeln, Verbessern, Hinterfragen, Herausfordern, Rückmeldung geben, Testen und Weitermachen, Lösungen suchen und finden.“ Wichtig auch: Abkürzungen sollte man widerstehen und es „richtig machen“ wollen. Businesspläne, Investorenverträge, Recruiting-Messen und Prototypen gehören zum Geschäftsalltag genauso wie das Vertiefen in die eigene Technologie. „Neben der Idee selbst, einer großen Portion Optimismus und einem inneren Antrieb braucht man auch jede Menge Ausdauer, Resilienz und zwischendurch auch ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz“, sagt Maria.

Gute Kontakte sind Gold wert

München bewerten die inveox-Gründer als einen der bedeutendsten deutschen Hightech-Standorte mit einer guten Zukunftsaussicht für Start-ups, besonders in den Branchen IT, Biotechnologie Medizintechnik, oder Luft- und Raumfahrt. Jungen Gründern raten sie: „Erweitert aktiv euer Netzwerk! Man weiß nie, ob die Person, die mit dir in der Supermarktschlange wartet und mit der du ins Gespräch kommst, nicht vielleicht eine entscheidende Geschäftspartnerin ist.“

„Am Anfang haben uns vor allem die Gründerprogramme der Universitäten geholfen, unser Netzwerk auszubauen.“ Unter anderem mit dem BayStartUP Investoren-Netzwerk und dem vorangegangenen Finanzierungscoaching konnte sich das Unternehmen seine Finanzierung sichern. 2017 hatte das Team zuvor die Expertenjury des Münchener Businessplan Wettbewerbs von seinem Geschäftsmodell überzeugt. Über verschiedene Acceleratoren, Wettbewerbe und Mentoringprogramme gewann das Team zahlreiche Geschäftskontakte und Industrie-Know-How. „Bei all diesen Unterstützerprogrammen war es für uns besonders wertvoll, dass unsere Idee und unser Konzept immer neu herausgefordert wurden.“