riskmethods

Heiko Schwarz, Mitgründer von riskmethods

Wer steckt hinter „riskmethods“?

Mein Gründungspartner Rolf Zimmer und ich kennen uns schon seit vielen Jahren. Wir haben gemeinsam vor der Gründung von riskmethods bei einem globalen IT-Unternehmen gearbeitet und waren für den Kontakt zu Kunden mit komplexen Lieferketten verantwortlich. Hier erzählten uns immer wieder Kunden von konkreten Problemen, wenn ein Rädchen in der feinabgestimmten, weltweiten Lieferkette stockt wie Insolvenzen bei Zulieferern. Zudem gab es Ereignisse wie z. B. die schlimmen Überschwemmungen in Thailand im Jahr 2011, die neben aller menschlichen Tragödie auch Auswirkungen auf die Produktion hiesiger Unternehmen hatten. Globale Lieferketten sind unheimlich komplex und produzierende Unternehmen sind darauf angewiesen, dass diese Prozesse reibungslos funktionieren. Daher dachten wir uns: Es sollte doch möglich sein, Risiken für diese Lieferketten so früh wie möglich zu erkennen und zu managen – die passende Software dafür gibt es aber noch nicht. So entstand die Idee zu riskmethods, die Rolf Zimmer und ich dann Schritt für Schritt mit einem immer größer werdenden Team umsetzten. Heute sind wir 140 Leute und wachsen immer weiter.

Was genau ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?

riskmethods ist eine cloudbasierte Software, um Risiken in globalen Lieferketten zu erkennen und zu managen. Das Besondere ist, dass die Software zwei Dinge kombiniert: Informationsbeschaffung und die automatische Analyse. Zusätzlich sorgt Künstliche Intelligenz dafür, dass die Risiken frühestmöglich erkannt werden und nur das zum Nutzer durchdringt, was wirklich relevant ist. Konkret zapfen wir eine Unmenge an Datenquellen an. Das sind erstens öffentlich zugängliche Datenbanken wie von der Weltbank oder der CIA. Zweitens screenen wir alles, was im Internet passiert – ob auf Webseiten, Blogs oder Social Media. Und drittens sind auch unsere Kunden selbst Informationsträger, wenn sie gewisse Daten in unsere riskmethods-App eingeben. Ein Beispiel, wie es funktioniert: auf einer malaysischen Online-Seite erscheint eine Meldung, wonach ein dortiger Geschäftsführer ein Unternehmen verlässt, das als Sub-Sub-Lieferant ein deutsches Elektronikunternehmen beliefert. Zeitgleich werden auf einer lokalen Karriereplattform Beschwerden von Mitarbeitern gepostet, wonach die Gehaltszahlungen stocken. Unsere Software bringt diese beiden Informationen in Zusammenhang, sucht weitere Informationen und bewertet das vielleicht als einen ersten Warnhinweis für eine bevorstehende Insolvenz. Diese Kombination aus Informationsbeschaffung und Analyse von Risiken in Lieferketten ist einzigartig. Im Endergebnis hilft unsere Software dabei, dass unsere Kunden sehr viel Geld sparen können.

Wer hat Euch bei der Gründung unterstützt?

Wir selbst konnten auf rund 25 Jahre Berufserfahrung an der Schnittstelle von Lieferketten und Software zurückblicken – wir kannten den Markt also sehr gut. Daher hatten wir uns viele Ratschläge vor allem zum Prozess des Gründens selbst geholt. Wir haben einige erfolgreiche Gründer und Business Angels im Bekanntenkreis, die unseren Businessplan und unser go-to-market-Konzept von Anfang an konstruktiv, aber auch sehr kritisch hinterfragt haben. Das war wirklich eine große Hilfe und hat uns vor einigen Fehlern bewahrt. Und das BayStartUP-Netzwerk hatte uns Kontakt zu ausgezeichneten Investoren hergestellt. Investoren zu haben, die sich mit ganzer Kraft für ein Projekt engagieren, kann man kaum hoch genug einschätzen.  

Habt Ihr an Pitches oder Businessplan-Wettbewerben teilgenommen?

Wie schon erwähnt, hatten wir im privaten Umfeld hervorragendes Sparring von Gründern und Business Angels. Und wir kamen sehr zielgerichtet mit potentiellen Investoren in Kontakt. Daher hatten wir nie die Notwendigkeit, an solchen Wettbewerben teilzunehmen. Wer aber nicht wie wir auf solch ein Netzwerk zurückgreifen kann, für den sind Businessplan-Wettbewerbe eine gute Sache.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die Ihr auf Eurem Gründungsweg überwinden musstet?

Wir hatten beide hervorragende Jobs und standen seit vielen Jahren im Berufsleben. Wir wollten aber unbedingt die Idee von riskmethods verwirklichen. Daher haben wir uns die ersten beiden Jahre kein Gehalt ausbezahlt und haben buchstäblich unser Erspartes aufgebraucht. Ehrlich gesagt: das hat uns einen echt langen Atem abverlangt.
Als unser Start-up langsam ins Rollen kam, war die große Herausforderung, gute Leute für uns zu gewinnen. Ohne die funktioniert eine Idee wie riskmethods nicht. Am Anfang kannte uns und unser Produkt ja niemand. Daher haben wir viel Energie darauf verwendet, Leute anzusprechen und von unserem Projekt zu überzeugen. Dieser Einsatz zahlt sich aber nun aus.

Welche Tipps sollten Neugründer unbedingt befolgen?

Nicht im Büro eingraben und erst rauskommen, wenn das Produkt steht. Besser ist: rausgehen und mit so vielen Leuten wie möglich sprechen! Wir haben im Freundes- und Bekanntenkreis, auf Events, auf Messen etc. viele Menschen getroffen, die uns weitergeholfen haben – entweder hatten die wertvolles Feedback zum Produkt oder sie haben uns gute Mitarbeiter empfohlen. Teilweise haben wir sogar auf diese Art auch Kunden gewonnen. Wenn es um das Produkt geht, erhält man echtes Marktfeedback nur draußen. Daher auch Achtung: enge Freunde meinen es gut mit einem und scheuen vielleicht die nötige Härte beim Feedback. Und man braucht auch keine Sorge zu haben, dass die eigene Idee von anderen übernommen wird. Denn: eine gute Idee lässt sich nicht auf Basis eines kurzen Gesprächs kopieren.

Warum habt Ihr Euch für den Standort München bzw. Bayern entschieden?

Wir wohnen hier seit langem und daher war es gar keine Überlegung, es woanders zu versuchen. Was uns dann aber schon aufgefallen ist: München ist für B2B eines der besten Ökosysteme in ganz Europa! Ich brauche nicht in den Flieger zu steigen, um mögliche Kunden zu treffen. Und durch die erstklassigen Unis hat man einen guten Pool an neuen Mitarbeitern, die sich sehr freuen, hier leben und arbeiten zu können. Wir sitzen mit riskmethods in München-Haidhausen – unsere Mitarbeiter lieben es!

Welche Ziele habt Ihr für die Zukunft?

Unsere Vision ist, dass wir für produzierende Unternehmen die Risiken der globalen Lieferkette beherrschen. Das wollen wir für den kleineren Mittelständler genauso tun wie für die globalen Konzerne. Auch ganz wichtig: Für unsere Kunden wollen wir ein verlässlicher Partner sein und unseren Mitarbeitern einen tollen Arbeitsplatz bieten. Dann kommt alles Weitere automatisch.

Wo kann ich mehr über Euer Unternehmen erfahren?

Natürlich über unsere Webpage www.riskmethods.net. Hier haben wir auch ein gutes Erklärvideo, was genau die riskmethods-Software ausmacht. Und wer in München-Haidhausen beim Italiener Gespräche über globale Lieferketten aufschnappt – das dürften wir sein!

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