EXTEND3D

Nicolas Heuser, Gründer und Geschäftsführer von EXTEND3D


Wer steckt hinter EXTEND3D und wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Wir – ein damals dreiköpfiges Gründerteam – hatten uns während Studium bzw. Promotion am Lehrstuhl für Informatikanwendungen in der Medizin & Augmented Reality an der TU München kennengelernt. Dort hatten wir uns wissenschaftlich mit den Anwendungen von Augmented Reality in der Industrie beschäftigt. Viele kennen den Begriff vielleicht von Computer-Spielen, der Google-Brille oder ähnlichem. Das Grundkonzept: Mit Hilfe einer unterstützenden Technik wie Brille, Mobilgerät oder Projektionssystemen werden für einen Anwender nützliche Informationen virtuell eingeblendet, während er auf die Umgebung oder auf einen Gegenstand blickt. Aus der wissenschaftlichen Forschung an der TU München haben wir beim Feierabend-Bier die unternehmerische Idee für unser, auf Augmented Reality basierendes Projektionssystem „WERKLICHT“ entwickelt. Im Jahr 2010 ging es dann mit der Selbstständigkeit los. Heute sind vom ursprünglichen Team noch Dr. Peter Keitler und ich an Bord.

Was genau ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?

Wir wollen mit unseren Projektionssystemen ein weiterverbreitetes Problem in der industriellen Fertigung lösen und damit schneller, günstiger und effektiver machen. Der Hintergrund: Die Produktion von Autos, Zügen, im Maschinenbau, in der Luftfahrt oder quasi überall, wo etwas hergestellt wird, ist immer komplexer. Hatten früher Auftraggeber beispielsweise 100 Loks völlig gleicher Machart bestellt, sind es heute nur noch zwei – und diese sind mit zig Extrawünschen der Auftraggeber versehen. Muss also ein Techniker beispielweise einen Bolzen an ein Karosserieteil anbringen, fand er bisher die richtige Stelle mittels großer Schablonen, die am Rohteil angebracht werden und teuer in der Herstellung sind. Die Handhabung dieser Schablonen ist recht unflexibel. Hier setzen wir an: Im ersten Schritt erkennt das Extend3D-System mittels Kameratechnik das Bauteil und seine Lage. Im zweiten Schritt werden die Umrisse oder die genaue Platzierung der Anbauteile mittels Lasertechnologie auf das Rohteil projiziert. Die Genauigkeit beträgt bis zu 0,1mm/m. Bewegungen des Bauteiles oder des Projektors werden innerhalb einer Sekunde erkannt und berücksichtigt. Unser Produkt ist also quasi ein virtueller Schablonenersatz. Als wir im Jahr 2010 gestartet sind, waren wir tatsächlich weltweit das erste Unternehmen, dass das dynamische Tracking von Bauteilen mit der lasergestützten Projektion von Informationen verbunden hat. Doch wir machen nicht nur die Hardware. Auch die besonders einfach zu bedienende Software kommt von uns. Denn am Ende entscheidet die einfache Bedienbarkeit über den Erfolg des Produkts.

Wer hat Euch bei der Gründung unterstützt?

Am Anfang hatten wir ein EXIST-Gründerstipendium, das uns das erste Jahr mit EXTEND3D ermöglichte. Nachdem das abgelaufen war, unterstützte uns UnternehmerTUM, indem wir Räume und Infrastruktur nutzen konnten. Etwas später kam Bayern Kapital zur Finanzierung hinzu. Die Beratung war hier wirklich hervorragend. Auch hatten wir einige Business Angels, die uns unterstützten.

Habt Ihr an Pitches oder Businessplan-Wettbewerben teilgenommen?

An einigen – unter anderem am Münchner Businessplan-Wettbewerb. Das war für unsere Entwicklung sehr wichtig. Durch die Wettbewerbe oder Pitches konnten wir uns ein breites Netzwerk aufbauen. Denn als Informatiker mussten wir uns in Sachen Unternehmensgründung oder -führung erstmal viel Wissen aneignen: Was ist bei einer GmbH-Gründung zu beachten? Wie schreibe ich einen Businessplan? Um dieses Know-how direkt oder über Kontakte zu erhalten, sind Businessplan-Wettbewerbe eine hervorragende Sache!

Was waren die größten Schwierigkeiten, die Ihr auf Eurem Gründungsweg überwinden musstet?

Wenn wir auf die knapp acht Jahre seit Gründung zurückblicken, muss man sagen: Es ist oft ein Auf und Ab. Geholfen hat uns die Überzeugung, dass unsere Idee eine Zukunft haben wird, der Markt da ist und das Produkt ein komplexes Problem löst. Zudem hatten wir ein tolles Netzwerk aus Experten, die uns mit guten Ideen oder Ratschlägen weitergeholfen haben. Eine entscheidende Wegmarke war zudem der Übergang vom reinen Start-up zu einem jungen, dynamischen Unternehmen mit klaren Prozessen. Ein Beispiel: Früher hatten Kunden bei Support-Fragen immer auf meinem Handy angerufen. Irgendwann ging das nicht mehr, und wir haben professionelle Service-Prozesse etabliert. Um das aber richtig anzupacken, braucht man gute Sparringspartner. Bei uns ist das vor allem unser Beirat, in dem erfahrene Business Angels sitzen. Auch dank deren Support konnten wir uns zur klaren Nummer Eins weltweit für Augmented Reality basierte Projektionssysteme in der Industrie entwickeln.

Welchen Tipp sollten Neugründer unbedingt befolgen?

Zum einen sollten Gründer darauf achten, ein Netzwerk aufzubauen, das wirklich weiterhilft. Zum anderen haben wir am Anfang die Wichtigkeit von professionellem Vertrieb und Marketing unterschätzt. Gerade wenn man seine Stärke im technischen Bereich hat, braucht man hier Profis.

Warum habt Ihr Euch für den Standort München bzw. Bayern entschieden?

Wir sind aus München und hatten uns an der TU München kennengelernt. Daher hatten wir nie wirklich einen anderen Standort in Betracht gezogen, da wir hier alles haben, was es für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung braucht. Allein in Bayern sitzen so viele potentielle Kunden aus dem produzierenden Gewerbe oder dem Automobilbereich, daher würde das auch keinen Sinn machen, woanders hinzugehen.

Welche Ziele habt Ihr für die Zukunft?

Wir wollen kein schnelles Wachstum um jeden Preis, sondern unsere Marktposition organisch und stetig ausbauen. Wir orientieren uns an erfolgreichen Mittelständlern. Das macht für uns mehr Sinn. Nächster größerer Schritt ist, den chinesischen Markt zu erschließen. Allein der dortige Automobilmarkt bietet für uns viele Chancen und unsere bisherigen Erfahrungen mit chinesischen Geschäftspartnern sind wirklich gut.

Wo kann ich mehr über Euer Unternehmen erfahren?

Neben unserer Webpage haben wir auch einen Youtube-Kanal, der unser Produkt mit einigen Videos gut erklärt. Zudem sind wir auf einigen Fachmessen oder Branchen-Events zu treffen. Wir haben festgestellt: Uns helfen die kleineren, aber fokussierten Events mehr als große Massenveranstaltungen.

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